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1 Tag in Prag

 
 
 
 

Für den absoluten Kurzbesuch empfehlen wir einen Spaziergang auf dem Königs- oder Krönungsweg. Diese Route nahmen die böhmischen Könige am Tage ihrer Krönung von der Stelle des alten Königspalastes zum St. Veitsdom auf dem Hradschin, soweit die Lesart der offiziellen Tourismusmanager. Historisch belegt ist der Königsweg nicht. Die Route vermittelt aber einen guten Querschnitt durch die Prager Architektur und Geschichte.
Nun hat ein Tag zwar genau 24 Stunden aber dennoch eine subjektive Länge. Für Interessierte, die gut zu Fuß sind oder gerne früh den Tag beginnen, haben wir einige optionale Empfehlung rechts und links der Route angefügt.

START: Am Pulverturm(Revolučni ul./Hybernská ul.)
Metrostation: nám. Republiky

Kontrastreich präsentieren sich der gotische Pulverturm und das im Jugendstil errichtete Repräsentationshaus / Gemeindehaus am Beginn des Königsweges.
Die Grundsteinlegung des Pulverturmes fand 1475 statt. Als Befestigungswerk war er bereits durch die Stadtentwicklung überholt und vielmehr als repräsentative Grenzmarke des Altstädter Bezirkes gedacht. 1484 wurden die Arbeiten eingestellt. Danach lagerte hier tatsächlich Pulver. Peußische Kanonenkugeln beschädigten das Bauwerk während der Belagerung von 1757 schwer. Erst 1875 hat man den Turm in seiner jetzigen Form fertiggestellt.
Auf dem Gelände des alten Königshofes entstand von 1906-1912 als Prachtbau das Repräsentations- oder Gemeindehaus als Manifestation tschechischer Kultur. Besonders beeindruckend - der Smetana-Saal.

PulverRepr

Durch den Pulverturm gelangt man in die Celetná ul./Zeltnergasse. Eine schöne Einkaufsstraße mit vielen alten Häusern, zum Teil mit noch mittelalterlicher Kernsubstanz. Einige Stadtpalais (Nr. 13: Palais Caretto-Millessimo; Nr. 20 Buquoy-Palais; Nr. 31: Palais Pachtů z Rájova) zeigen, dass die Celetná ul. schon früher eine gute Adresse war.
Ein besonders schönes Gebäude kubistischer Architektur ist das Haus zur "Schwarzen Muttergottes" (Nr. 34), entstanden 1911/12. Die beiden oberen Etagen beherbergen das Tschechische Kubismus-Museum. Die Celetná ul. mündet neben der Teynkirche auf den Altstädter Ring.

Zeltnergasse

Die Celetná ul. mit dem Pulverturm

Der Altstädter Ring ist das Zentrum der Stadt und dies schon seit dem 11. Jh., als sich der Markt hier zu einem bedeutenden Handelsplatz entwickelte. Flankiert wird der Platz von den gotischen Türmen der Teynkirche und ihrem Gegenüber, dem fast 70 m hohen Rathausturm.
Der Altstädter Ring besticht durch sein anmutiges Ensemble herausgeputzter Fassaden, vom gotischen Turmhaus unterhalb der Teynkirche bis zum benachbarten Kinsky-Palais mit seiner Rokoko-Fassade, welches zu den schönsten der Stadt zählt. In den gotischen Lauben der Bürgerhäuser mit ihren in der Stilen späterer Epochen aufgehübschten Fronten findet sich vielfach touristische Gastronomie.

Altstädter3

Teynkirche und Rathausturm

Lediglich die Westseite des Platzes weist durch den Verlust des Rathaus-Flüges während des Aufstandes vom Mai 1945 eine städtebauliche Lücke auf. Dominant und ein Kontrapunkt in der Harmonie des Platzes ist das Jan Hus-Denkmal von 1915.
Ein weiteres besonderes Schmuckstück am Altstädter Ring ist die barocke St. Niklas-Kirche (erbaut 1732-1737) an der Nordwestecke des Platzes.

Hus_Denkmal

Jan Hus-Denkmal, rechts Teynkirche, links Kinsky-Palais

Zur vollen Stunde umringen ganze Menschentrauben die Astronomische Uhr am Rathaus, wenn der biblische Figurenreigen abläuft.
>> nur wenige Meter links von der Uhr befindet sich die Tourist-Information.
Das hervorspringene Haus U Minuty/Zur Minute mit seiner prachtvollen Renaissance-Fassade beschließt den Altstädter Ring. Nur wenige Schritte weiter gelangt man auf den Kleine Ring.

AstroUhr

Optionale Abstecher vom Altstädter Ring:
• Wenzelsplatz
• Jüd. Friedhof

 

Der Kleine Ring ist einer der ältesten Handels-Plätze in Prag, im 12. Jh. gab es hier eine Niederlassung französischer Kaufleute. Mit seiner geschlossenen Kulisse historischer Fassaden vermittelt der Kleine Ring noch am ehesten das Ambiente eines Alt-Prager-Platzes. Seine dreieckige Grundform lässt vermuten, dass dieser Handelsort an einer Weggabelung entstand.

Oldtimer

Oldtimertaxen auf dem Kleinen Ring

In der Karlsgasse / Karlova ul. kann es schon mal enger werden. Auf der touristischen Hauptachse zwischen Altstädter Ring und der Karlsbrücke ballen sich dann auch Souvenirläden, allerlei touristischer Kommerz und ebensolche Gastronomie. Da hilft es, gelegentlich den Blick über die Erdgeschossebene zu heben um sich den beschaulichereren Reizen dieser wichtigen historischen Verkehrsachse zu widmen.
Im Haus Nr. 4 arbeitete von 1607-1612 der Astronom Johannes Kepler, im Haus Nr. 18 befand sich Anfang des 18. Jh. die erste Kaffeesiederei Prags.
An der Kreuzung Husova ul. lohnen sich ein paar Schritte nach rechts zu einer weiteren architektonischen Perle, dem Palais Clam-Gallas. Die Arbeiten an diesem Barockbau begannen 1715. Heute ist hier das Stadtarchiv untergebracht, der öffentliche Eingangsbereich kann von innen besichtigt werden. Gelegentlich bietet der Palast auch einen festlichen Rahmen für Konzertveranstaltungen.
Vorbei am wuchtigen Klementinum, welches ab 1653 vom Jesuitenorden als sichtbares Bollwerk der Gegenreformation errichtet wurde, mündet die Karlsgasse auf die Kreuzherrenstraße / Křižovnická ul. und den gleichnamigen Platz.

Karlsgasse

Karlsgasse

Die Kreuzherren waren ein böhmischer Ritterorden, der an diesem Platz seit 1252 eine Niederlassung besaß. Der Orden war bereits beim Vorgängerbau der Karlsbrücke, der Judithbrücke, für die Instandhaltung und den Brückenzoll zuständig.
Von 1679-1689 ließ der Kreuzherren-Orden, wohl aus Konkurrenzgründen, direkt gegenüber der jesuitischen Salvatorkirche am Klementinum die St. Franziskus-Kirche errichten. Ihre dominante Kuppel wirkt als Blickfang.

Kreuzherrenpl

Altstädter Brückenturm und das Denkmal für Karl IV. auf dem Kreuzherrenplatz

Die Karlsbrücke gehört zu den imposantesten Brückenbauten Europas und man kann sie als das Herz der Stadt bezeichnen. Sie lädt ein zum Verweilen, von ihr, wie auch von den Brückentürmen, bieten sich schöne Stadtpanoramen.
Dombaumeister Peter Parler erhielt von Karl IV. den Auftrag für den Bau dieser Brücke. Ihr Vorgängerbau, die Judithbrücke (1158-1342), war bei einem Hochwasser stark beschädigt worden. 1357 begannen die Arbeiten, 1402 wurde die Karlsbrücke fertiggestellt. Sie war bis ins 19. Jh. die einzige feste Flussquerung in Prag.
Die Galerie barocker Skulpturen fügt sich harmonisch an den gotischen Brückenbau. Die erste Figur war die des Johannes Nepomuk (Südseite, Mitte) und wurde 1683 aufgestellt, die letzte stellt die Slawenmissionare Cyrill und Method dar und fand erst 1938 ihren Platz.
Johannes von Pomuk war Generalvikar in Prag und wurde 1393 auf Geheiß Wenzel IV. von der Brücke gestoßen, weil er sich weigerte das Beichtgeheimnis preiszugeben. 1729 heilig gesprochen begann seine Karriere als Brückenheiliger.

Karlsbruecke3

Optionale Abstecher:
• Waldstein Palais
• Insel Kampa

 

Über die Mostecká ul. führt der Weg zum Kleinseitner Ring / Malostranské nám., der seit dem 10. Jh. der Mittelpunkt des "Kleinen Prag" ist. Der Marktplatz ist in etwa genauso groß wie der Altstädter Ring, wird jedoch durch das wuchtige Jesuitenkolleg (erbaut 1674-1691) und die Nikolauskirche (erbaut 1673-1756) geteilt. St. Niklas ist eine der bedeutendsten Barockkirchen Mitteleuropas, besonders sehenswert sind die Deckenfresken.
An der Südseite des Kleinseitner Ringes befinden sich einige Lokale, die sich ein uriges Ambiente mit moderaten Preisen bewahrt haben.
In der Nerudagasse (früher Spornergasse) beginnt
der Aufstieg zum Burgberg. Benannt ist sie zu Ehren von Jan Neruda (1834-1891), einem bedeutenden tschechischen Literaten des 19. Jh, der in seinen "Kleinseitner Geschichten" die Menschen dieses Viertels portraitierte.
Die Nerudagasse wird durch Bürgerhäuser geprägt, an deren Fassaden sich noch viele alte Hauszeichen erhalten haben, wie bei der Nr. 12 "Zu den drei kleinen Geigen". Hier lebte von 1667 bis 1748 die Geigenbauerfamilie Edlinger.
Nach etwa 400 m in der Nerudagasse führt der Königsweg in einer scharfen Rechtskehre weiter zum Hradschin.
An der Burgrampe bietet sich einer der schönsten Ausblicke auf Prag (günstiger Sonnenstand am Nachmittag).

Kleins_Ring

Der westliche Teil des Kleinseitner Ringes mit Pestsäule und Blick auf den Hradschin, links die Fassade des Liechtenstein-Palastes.

Nerudagasse

Nerudagasse

Burg_Panorama

Ausblick von der Burgrampe über St. Niklas zur Altstadt

Die Prager Burg ist das wichtigste nationale Symbol der Tschechen. Bereits in der zweiten Hälfte des 9. Jh. wurde hier unter den Přemysliden die erste Befestigung errichtet. Mit Erlangung der staatlichen Unabhängigkeit 1918 wurde die Burg Sitz des Staatspräsidenten der Tschechoslowakei, seit 1993 der Tschechischen Republik.
Nach dem Abzug der preußischen Belagerungsgtruppen zu Beginn des Siebenjährigen Krieges verfügt Maria Theresia den Wiederauf- und Umbau der Burg. Nach Plänen des Wiener Oberhofarchitekten Nikolaus von Pacassi erhielt die Anlage ihr heutiges Gesicht, das in seiner nüchterneren Formensprache die Abkehr vom Barock einleitet.
Flankiert von den kämpfenden Titanen gelangt der Besucher an der Wache vorbei in den ersten Burghof, den Ehrenhof. Durch das Matthiastor, dem ersten Barockbau in Prag (1614), das ursprünglich freistehend von Pacassi in die Fassade des Neubaues integriert wurde, führt der Weg in den Zweiten Burghof. Im nördlichen Flügel befindet sich die Burggalerie mit Werken der habsburgischen Kunstsammlung des 16. und 17. Jh.

Optional: Der Königsgarten mit dem Lustschloss Belvedere. Zugang über den Zweiten Burghof.

Die Passage zum Dritten Burghof mündet direkt vor der steil aufragenden Westfassade von St. Veit, einem der bedeutendsten gotischen Kirchenbauten. 1344 wurde der Bau auf Betreiben Karls IV. begonnen, der für die kommende Hauptstadt des Heiligen Römische Reiches einen repräsentativen Kirchenbau wünschte. Nach dem Tode des ersten Dombaumeisters berief Karl IV. 1356 Peter Parler nach Prag, der prägend für den Bau der Kathedrale wurde und dessen Genius sich besonders im 1385 eingeweihten Chor wiederfindet. Endgültig fertiggestellt wurde der Dom allerdings erst 1929. Besonders sehenswert im Inneren ist die Wenzelskapelle.

Burg1

Überragend - Veitsdom und
Prager Burg

Burg_Eingang

Wachen und kämpfende Titanen hüten das Symbol nationaler Unabhängigkeit

Veitsdom

Himmelwärts streben die Westtürme und der sehr viel später fertiggestellte Südturm mit seinem barocken Abschluß. Im Vordergrund die Probstei.

Südlich des Chors befindet sich der alte Königspalast. Beeindruckend ist der 62 m lange Valdislav-Saal mit seinem gotischen Sternrippengewölbe. Hier fanden früher sogar Ritterturniere statt, die Pferde wurde über eine eigens mit flachen Stufen versehene Treppe heraufgeführt.
Zu den berühmtesten Straßen Prags gehört das Goldene Gässchen im unteren Teil der Burg. Angeblich lebten hier früher Alchimisten und Goldmacher. Es waren aber eher Handwerker und vielleicht der eine oder andere Goldschmied. Trotz eigenem Eintritt wird es zu normalen Besuchszeiten hier recht eng. In einem der winzigen Häuschen lebte zeitweise Franz Kafka (Nr. 22).

Wer den Tag ausklingen lassen möchte kann über die Alte Schlossstiege den Burgberg verlassen. Am Fusse befindet sich in der Nähe die Metrostation Malostranská.

Oder Sie gehen zurück und erkunden weiter den Hradschin. Hradschin bedeutet Burgberg und bezieht sich auf den ganzen Stadtteil bis zum Strahov-Kloster, die Übersetzung für Burg lautet Hrad.
Um den Hradschiner Platz / Hradčanské nám. reihen sich einige Adels-Paläste, auffällig ist das Schwarzenberg-Palais mit seiner Sgraffito-Fassade. Die Schwarzenbergs gehörten bis 1918 zu den mächtigesten Adelsfamilien in Böhmen und Mähren.
Durch die Loretánská ul. geht es zur Loreto-Wallfahrtsstätte, mit ihrer von Christian und Kilian Ignaz Dientzenhofer ausgeführten Rokokofassade. Im Zuge der Gegenreformation nach der Schlacht am Weißen Berg entstanden an die 50 dieser Wallfahrtorte zur Marienverehrung in Böhmen und Mähren, der auf dem Hradschin wurde als prächtigster ausgestaltet (Innenbesichtigung nur bis 16.30 Uhr möglich, Mo geschlossen).
Im gegenüberliegenden Palais Czernin ist das Aussenministerium untergebracht.

LInks am Czernin Palais vorbei folgt man der Pohořelec ul. und gelangt auf einen länglichen Platz. Fußmüde gehen weiter bis zur Querstraße (Keplerova ul.) und können die Straßenbahn Linie 22 benutzen (Richtung Norden, Endstation "nádrazi Hostivař), die um den Burgberg durch die Kleinseite und anschließend über die Legii-Brücke in die Neustadt fährt. Gute Umsteigemöglichkeiten zur Metro an den Stationen Malostanská und Národni třída.
Wer noch nicht genug hat, kann von der Pohořelec ul. in einer scharfen LInkskehre durch den Úvoz wieder zur Nerudagasse und dem Kleinseitner Ring gemächlich abwärts gehen.

 
   
 
 
 
     
 
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